Zeitformen in wissenschaftlichen Arbeiten

Der Schwerpunkt von wissenschaftliche Arbeiten sollte stets bei den Inhalten und einem konkreten Erkenntnis liegen – so wird es zumindest an jeder Hochschule gelehrt. Dabei sind die Verfasser mit der Herausforderung konfrontiert, ihre Inhalte in ein sprachliche Form zu bringen und müssen den Balanceakt zwischen standardisierten Vorgaben und dem kreativen Schreibprozess finden. Zu den bekanntesten Standards gehört beispielsweise der strukturelle Rahmen mit Kapiteln wie Einleitung, Methode und Diskussion, die in der Regel eine bestimmte Zeitform vorgeben. Dieses Tutorial zeigt dir, wann welche Zeitform die passende ist.

wissenschaftliche Arbeiten Zeitform Präsens, Perfekt, Präteritum
Zeitformen: Präsens, Perfekt oder Präteritum?

Grundsätzlich gilt, dass die Zeitformen innerhalb des Kapitels „konsistent“ einzusetzen sind. Für den Leser kann es schnell verwirrend werden, wenn der Autor hier nicht sorgsam genug arbeitet. Aus diesem Grund gehen viele Studenten davon aus, stets die Zeitform Präsens zu verwenden: 1989 ist die Berliner Mauer gefallen. Das hört sich so an, als ob dieses historische Ereignis gerade eben passierte. Dabei befinden die meisten Ereignisse, die sich in einer wissenschaftlichen Arbeit beschrieben werden in der Vergangenheit – nicht im Präsens.

Fakt ist, Präsens ist beim Schreiben beliebt, weil es unmittelbar ist und dadurch der Lesern näher am Geschehen ist. Denn solange das Schriftstück das „Hier und Jetzt“ beschreibt und die Vorgänge nicht an einen bestimmten Zeitpunkt gebunden sind, sollte Präsens verwendet werden. Aber warum schreiben wir nicht in Vergangenheitsform? Erstens weiß der Leser, dass die Ereignisse in der Vergangenheit liegen und zweitens gilt bei geschichtlichen Beschreibungen das historische Präsens. Deshalb ist der Satz 1989 ist die Berliner Mauer gefallen korrekt, genauso wie die Einleitung: Seit der Steinzeit spielt die genetische Isolation eine wichtige Rolle bei der Domestizierung von Wildtieren.

Immer nur im Präsens zu schreiben und die Zeitform nicht zu variieren ist eine beliebte Regel von Schreibratgebern und genauso falsch wie sie richtig ist. Sie sollte eher als grobe Richtlinie und nicht als Gesetzt versanden werden. Wir haben schließlich nicht in der Schule alle Zeitformen gelernt, nur um am Ende jedes Wort stur im Präsens zu verfassen.

Übersicht der Zeitformen

PräsensDie Ergebnisse bestätigen die Hypothese, dass Bananen gelb sein können.Aussagen überzeitlicher Gültigkeit oder historisches Präsens.
PräteritumIm Jahr 1905 veröffentlichte Einstein die spezielle Relativitätstheorie.Abläufe der Vergangenheit.
PerfektDarwin hat sich mit der Evolution beschäftigt.Abgeschlossene Handlungen bei denen die Folge im Vordergrund steht bzw. bis in die Gegenwart hineinwirkt.
FuturAm Ende der Arbeit werden die Ergebnisse diskutiert.Absicht für die Zukunft oder Vermutung für Gegenwart.
PlusquamperfektNachdem er die Theorie entwickelt hatte, folgten weitere Untersuchungen.Erzählung in der Vergangenheit (Präteritum) bei dem ein Ereignis davor passierte.

 

Die passende Zeitform in den Kapiteln

Abstract

Präsens – zum Beschreiben der Sachlage und allgemeine Fakten

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den ökonomischen Folgen der Digitalisierung.

Perfekt – zum Erläutern vergangener Fakten

Die Forschung hat zu diesem Zeitpunkt große Fortschritte gemacht.

 

1. Einleitung

Präsens – bei der Beschreibung des Ausgangspunkts der Arbeit, des Forschungsstands und Ziels des Ziel

Das Ziel der Arbeit ist eine Analyse der Konsumkultur „Shared Economy“.

Perfekt – zur Erzählung eines historischen Hintergrundes

Darwin hat über 20 Jahre Belege für seine Theorie gesammelt .

 

2. Theorie

Präsens – bei der Beschreibung des Ausgangspunkts der Arbeit, des Forschungsstands und Ziels. Dazu gehören auch Definitionen.

Eye-Tracking-Geräte messen den Blickverlauf anhand der Augenbewegungen.

Präteritum oder Perfekt – bei Verweisen auf Forschungsergebnissen anderer Autoren.

Im Jahr 1905 veröffentlichte Einstein die spezielle Relativitätstheorie.

3. Literaturübersicht

Präsens – zur Wiedergabe von gegenwärtigem Wissen mit allgemeiner Gültigkeit

Forscher können bestätigten, dass die Nahrungsmitteleinnahme überlebensnotwendig für den Menschen ist.

Präteritum – zur Beschreibung der Aussage anderer Autoren

Kotler (1974) fand heraus, dass die Atmosphäre in einem Geschäft einen Einfluss auf das Einkaufsverhalten haben kann.

 

5. Methode

Präsens – Zur Beschreibung des Versuchsablaufs und bereits publizierte Verfahrensweisen

Als Erstes beantwortet die Versuchsperson einen Fragebogen zur Erfassung seiner Meinung zum Thema „traditionelle Erziehungsmethoden“

Präteritum oder Perfekt – zur Beschreibung der Arbeitsschritte zur Datenerhebung

320 Angestellte des Unternehmens wurden befragt. An der Untersuchung haben insgesamt 320 Personen teilgenommen.

 

6. Ergebnis

Präteritum oder Perfekt – zum Ausformulieren der Forschungsergebnisse

Die Hypothesen konnten bestätigt werden. Die Studie hat bewiesen, dass der intensive Konsum von Rotwein einen negativen Einfluss auf die Motorik haben kann.

 

7. Diskussion

Präsens – zum Interpretieren der Erkenntnisse und abschließendes Fazit

Die Untersuchung zeigt, dass reiche Menschen hochwertigere Marken für Monokel bevorzugen.

Präteritum oder Perfekt – zum Rückblicken auf die Untersuchung und Beschreibung der Handlung

Zunächst wurden die Versuchspersonen mit dem Stimulus 1 konfrontiert, um anschließend …

 

Quelle Bild oben: Michael Simons[at]123rf.com